02.09.2017

Eine Ausfahrt der besonderen Art

Die Koblenzer Männerturner haben es wortwörtlich genommen. Sie sind am ersten Samstag im September über weite Strecken fahrend unterwegs gewesen.

(fs) - Nach der letztjährigen Turnfahrt – an den Oeschinensee oberhalb von Kandersteg – lautete die Einladung von den Organisatoren Stephan Schilling und Daniel Rota etwas anders als sonst: „Besuch vom Buszentrum Glattal in Bassersdorf. Während der Führung wird vom Parkdeck bis ins Untergeschoss die neue Heimat des Personentransportes besichtigt. Die zwei riesigen Hallen mit einer Höhe von über fünf Metern bieten Platz für bis zu 200 Busse. Daneben erwartet uns eine hochmoderne biologische Waschanlage. Am Nachmittag sehen wir die einmalige Greifvogel-Schau in der Falknerei Galina im liechtensteinischen Malbun.“

Kaffee und Gipfeli im „VIP-Liner“

Für die 15 Teilnehmer begann der Tagesausflug mit einer Ueberraschung, als sie sich um halb acht Uhr beim Parkplatz vis-à-vis vom Gasthof „Blume“ besammelten. Es stand ein dunkelfarbener Reisebus mit dezentem Schriftzug parat, ausgestattet mit luxuriöser Inneneinrichtung und grosszügig bemessenen Ledersitzen. Damit ging es auf direktem Weg dahin, wo das noble Verkehrsmittel ihren Standort hat. Zwischen Kloten und Bassersdorf befindet sich das erste dreistöckige Busdepot der Schweiz. Dort fahren täglich Dutzende von Linien- und Reisecars ein und aus.

Wissenwertes aus erster Hand

Im eigens mit „MTV Koblenz“ angeschriebenen Schulungsraum begrüsste Patrick Nussbaumer, Geschäftsführer der Eurobus Welti-Furrer AG, die Besuchergruppe aus dem Aargau. Seinen Ausführungen war unter anderem zu entnehmen, dass der 31 Millionen Franken teure Komplex nach rund einjähriger Bauzeit im Dezember 2016 eröffnet wurde. Das mit modernster Infrastruktur ausgerüstete Gebäude weist eine Gesamtfläche von 12‘000 m² auf. Das Dachgeschoss dient für die Angestellten als Parkdeck. „Unsere Chauffeure sind selber der ÖV. Wenn die ersten eintreffen, fährt noch kein Bus oder Zug“, erklärte er weiter. Deshalb ist die Lösung mit den Abstellplätzen für Privatautos auf dem Dach praktisch und platzsparend zugleich.

Wenn jede Minute zählt…!

Der Rundgang startete im Bürotrakt neben der Einstellhalle. Auf dem ersten Monitor an der Wand waren bunte Balken ersichtlich. Diese zeigen den Einsatz eines jeden Chauffeurs an, auf welcher Linie er gerade fährt und wann seine Einsatz- und Pausenzeiten sind. Daneben gibt es die elektronische Tauschbörse, womit eine nicht passende Schicht zur Verfügung gestellt und eine andere übernommen wird. Danach ging es ins weitläufige Untergeschoss und bis zu den Zapfsäulen im Freien. Der wöchentliche Dieselverbrauch beträgt cirka 40‘000 Liter. Zuletzt wurde im neuartig konzipierten Grossraumbüro auch noch Stephan’s Arbeitsplatz bestaunt.

Dauerregen in Richtung Osten

Die Weiterfahrt zum Ausflugsziel gestaltete sich nicht so einfach, denn es herrschte starkes Verkehrsaufkommen. Zudem hielten die ergiebigen Regenschauer vom Vorabend an, was in gewissen Regionen zu Ueberschwemmungen führte. Es waren Flexibilität und Geduld gefragt, die von Chauffeur Dobri mit Bravour gemeistert wurden. Auf Liechtensteiner Boden stand der steile Anstieg nach Malbun bevor. Als der Niesel- in leichten Schneeschauer überging, kam es zum keineswegs vorprogrammierten Zwischenstopp. Grund dafür war bei lautem Glockengebimmel der urchige Alpabgang einer Kuhherde auf der kurvigen Hauptstrasse.

Schnee auf den Berghängen

Ein trübes Bild bot sich um halb zwei Uhr bei der verspäteten Ankunft in Malbun, wo es sich um eine Siedlung auf 1‘600 Metern und Enklave der Gemeinde Triesenberg handelt. Das Thermometer zeigte nur gerade fünf Grad an. Für denjenigen, der als einziger kurze Hosen trug, war es ein echter Kälteschock. So wurde auch nichts aus dem gemeinsamen Mittagessen auf der Terrasse, weshalb die MTV-Mitglieder an den reservierten Tischen im schmucken Restaurant Platz nahmen. Dort konnten sie mit dem feinen Menue ihren Hunger stillen.

Aus nächster Nähe bestaunt

Trotz der misslichen Wetterlage fand die Greifvogel-Schau im Freien statt. Anstelle der sonst üblichen 200 Sitzplätze wurden vom Publikum deren 140 im Unterstand benutzt. Die verteilten Wolldecken waren ein begehrtes Objekt. Ab 15:00 Uhr hatte Hotelier Norman Vögeli mit seinen majestätischen Vögeln den grossen Auftritt. Dass er Falkner aus Leidenschaft ist, bewies die einstündige Vorführung. Diese wusste die Gäste zu fessseln und begeistern. Nachdem die letzten Schnappschüsse gemacht wurden, erfolgte bei weiterhin garstigen Bedingungen die Rückkehr. Auf der Fahrt durch das Toggenburg verbesserte sich das Wetter zusehends, sodass die muntere Reisegruppe die heimatlichen Gefilde sogar bei Sonnenschein erreichte.